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Do ut des *

* Latein für Ich gebe damit du gibst.

Jetzt ist er da, der letzte Frühlingstag, mit dem die bestreitbar beste Beobachtungszeit für Vögel zu Ende geht. Für die Vogelwelt selbst mag zwar der Sommer mit dem Brutgeschäft schon vor ein paar Wochen begonnen haben, aber nichtsdestotrotz erweckten die niemals Enden wollenden Gewitter und Regenfälle nicht den Anschein von Sommer. Da jedoch die Wettervorhersage den ersten komplett trockenen Tag seit langem prognostizierten und dieser auch noch einer der längsten im Jahr ist, plante ich einen umfassenden Vogeltag. Wohin soll man aber nun gehen?

 

In der letzten Zeit habe ich aufgrund des Hochwassers nur wenige Gebiete besuchen können und auch wenn Zwergdommeln tolle Vögel sind, nach fünf oder sechs Besuchen werden auch sie langsam langweilig (das mag jetzt für alle, die diese nicht bei sich vor der Haustüre haben, etwas hart klingen, ist aber die Wahrheit). Also wohin sonst?

 

Anhand der oben gezeigten Bilder und einem Blick in die Broschüre (Gebiet Nr. 10) oder auf die Seite "Beobachtungsgebiete" (siehe hier), sollte klar sein, dass es mich in den Zeller Forst verschlagen hat. Natürlich hatte mein Besuch einen Grund, nämlich die gesamte Länge des Weges (der sog. "Schlangenweg") zu erkunden, um dann die entsprechende Beschreibung verbessern zu können. Am Anfang sah es alles noch ganz schön aus: ein nur teilweiser etwas matschiger Weg umgeben von einer beeindruckenden Waldkulisse, in der dutzende Waldlaubsänger mit voller Wucht ihren Gesang schmetterten. Das sollte sich jedoch radikal ändern, als ich den mir noch unbekannten Wegteil erreichte. Biegung um Biegung schien dort nämlich der Weg matschiger und unappetitlicher zu werden. Da zudem noch alles gleich aussieht - sowohl auf der Karte als auch in Realität -, verlor ich auch kurzfristig die Orientierung. So etwas frustet auf Dauer doch sehr.

 

Irgendwie bin ich trotzdem sicher am Talweg angekommen (dank GPS) und wollte danach eigentlich nur noch möglichst schnell zum Parkplatz zurück. Augenscheinlich hatte ich genug an diesem Tag gelitten, denn als der Pfad wieder ein Waldstück durchquerte, hörte ich vom Hang auf der linken Seite einen intensiv Gesang. Es dauerte eine Weile, bis mein Gehirn diesen einem Zwergschnäpper zuordnete. Ich verbrachte ein bisschen Zeit damit, den Vogel im Geäst zu entdecken, allerdings ergebnislos. Dennoch ein voller Erfolg, immerhin hatte ich schon die Befürchtung, dass sich dieses Jahr im Gebiet überhaupt kein Individuum dieser Art aufhält.

 

Danach war der Tag an sich eigentlich schon gerettet, aber nach einer Pause am Nachmittag ging es am Abend bereits wieder los zu einem weiteren mir bisher noch unbekannten Gebiet. Die Rede ist vom Tennenloher Forst zwischen Erlangen und Nürnberg, welcher bis 1993 der Armee als Übungsplatz gedient hatte. Seitdem ist das Gebiet öffentlich zugänglich und stellt für Arten wie Heidelerche, Waldschnepfe und allen voran Ziegenmelker eines der besten Gebiete in Bayern dar.

 

Da diese ausschließlich nachtaktiv sind, war es nötig, wenigstens bis zum Sonnenuntergang (21:45) zu warten. Allerdings war ich bereits um 20:15 vor Ort, um noch ausreichend Licht für einige Landschaftsbilder zu haben. Jedoch dauerte es nur 45 Minuten bis das Licht so schwach geworden war, dass jegliche Art von Bildern praktisch unmöglich war. Damit fing also das lange Warten an.

Das mag vielleicht zunächst nicht so schlimm erscheinen, jedoch wird es das recht schnell, wenn sich kleine Trauben von Stechmücken von der heideartigen Offenfläche erheben. Nichtsdestotrotz, Aufgeben war keine Option und der grandiose Mondaufgang sorgte - zumindest bis derselbe wieder hinter den Wolken verschwand - für ein wenig Ablenkung und Kompensation.

 

Als dann endlich der letzte Sonnenstrahl von der grauen Wolkendecke verschluckt wurde, fing das Spektakel aber auch pünktlich an. Um 21:40 erhob der erste Ziegenmelker seine Stimme, zunächst in einiger Entfernung, dann näher und näher kommend. Das Hauptziel war erreicht, nur das i -Tüpfelchen fehlte noch, nämlich ein Exemplar beim Wechseln der Gesangswarte zu beobachten.

 

Glücklicherweise entdeckte ich in diesem Moment einen weiteren Beobachter etwa 100 Meter entfernt. Gerade rechtzeitig kam ich dort an, wo sich fast in demselben Moment die Shillouette eines Ziegenmelkers direkt vor dem Weg erhob, der im Anschluss einige Runden über dem Pfad kreiste, teilweise sogar in greifbarer Nähe. Dabei rief der Vogel unentwegt in einer Weise, wie ich sie selbst bei xeno-canto.org nicht finden konnte. Vielleicht eine Art regionaler Dialekt?

 

Kurz darauf landete er in einiger Entfernung und konnte nur noch aus der Distanz singen (oder wie auch immer man diesen Laut beschreiben soll) gehört werden, das perfekte Signal zum Aufbruch.

Letzten Endes hatte es sich also doch gelohnt, ein wenig Blut zu geben, um diese absolute Traumart derart schön beobachten zu können.

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Kommentare: 2
  • #1

    Lukas Sobotta (Donnerstag, 23 Juni 2016 10:19)

    Hallo Herr Büttel,
    der eigentümliche Ruf des Ziegenmelkers ist bei Xeno-Canto unter der Kategorie "alarm call" zu finden und dem Ihrer Aufnahme doch relativ ähnlich? http://www.xeno-canto.org/64780

  • #2

    Birding Franconia (Donnerstag, 23 Juni 2016 11:09)

    Hallo Herr Sobotta,

    besten Dank für die Anmerkung. Dürfte stimmen und ich habe es auf xeno-canto auch schon ausgebessert. Dass ich keinen ähnlichen Ruf dort gefunden habe, liegt wohl daran, dass ich nach normalen Rufen und Flugrufen gesucht habe, die doch deutlich anders klingen.