Birding im Gegenwind

Grau-x-Kanadagans
Grau-x-Kanadagans

Die letzte Woche war für mich vogelmäßig relativ unspektaktulär, die Highlights waren ein paar Krickenten im Bamberger Hafen und Schwanzmeisen im Garten. Dafür konnte ich mich auf den heutigen Morgen freuen, schließlich hatte ich da viel Zeit für die Vogelbeobachtung. Leider war es heute sehr windig, sogar so windig, dass ich schon überlegte, ob es wirklich eine gute Idee ist, sich den ganzen Vormittag exponiert an ein Seeufer hinzustellen. Als mir jedoch klar wurde, was ich hätte verpassen können, war ich schnell überzeugt.


Zunächst schien der Wind auch gar nicht so unangenehm zu sein, zu mindest bis ich zur Brücke über den Main kam, auf der der Wind mein Fahrrad ständig zum Geländer neben dem Fahrradweg drückte. Die nächsten Kilometer zum See waren dafür wieder etwas einfacher zu fahren. Auf den großflächigen Wiesen ließen sich auch zum ersten Mal Vögel beobachten, nämlich zwei Silberreiher, die jedoch nicht in Kamera-Reichweite kamen.


Kurz darauf am Ziel angekommen wandte ich meine Aufmerksamkeit sofort zu einigen Kanadagänsen, die auf einem benachbarten Acker dem Wind tapfer trotzten. Unter ihnen befand sich auch ein interessanter Hybrid, höchst wahrscheinlich Grau-x-Kanadagans. Da sich die Kanadagans in den letzten Jahren zunehmend ausgebreitet hat, ist auch die Zahl aberranter Individuen gewachsen, die oftmals für Hybride gehalten werden. Für die Unterscheidung (gilt nur für Anser-x-Branta Hybride) kann die Beinfarbe hilfreich sein, denn Kanadagänse haben schwarze oder zu mindest dunkle Füße (also auch die meisten aberranten Individuen), während die Gänse der Anser-Fraktion orange bis pinke Beine aufweisen. Anser-x-Branta Hybriden bleibt meistens die Beinfarbe des Anser-Elternteils erhalten, was sie relativ auffällig macht unter Kanadagänsen.


Ansonsten bot der See nicht so viel wie ich mir eigentlich erhofft hatte, am interessantesten blieb ein Wanderfalke, der am gegenüberliegenden Ufer zweimal seinen spektakulären Sturzflug vorführte. Als ich dem Ufer zu nahe kam, flog eine Gruppe Schnatterenten auf, die ich vorher aufgrund des steilen Ufers nicht hatte sehen können.

Daraufhin trat ich wieder den Rückweg an und kam so zu einem gemischten Singvogeltrupp auf den Äckern, der dauerhaft aufflog und niemals lange an einem Ort verweilte. Den Hauptanteil machten klar Stieglitze aus, doch ich bin mir sicher, auch Erlenzeisige und zu mindest einen Bergfink gehört zu haben. Als schließlich auch die letzten Finken außer Sichtweite gekommen waren, machte ich mich auf den langen Rückweg, dieses Mal war der strenge Gegenwind allerdings noch um einiges stärker als zuvor.



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