GPS und die Vögel - Schrei-x-Schelladler Hybrid über Bamberg

Kaiseradler (Neusiedler See, Österreich) - zwar keine Schelladler, aber dennoch ähnlich selten wie diese in Deutschland
Kaiseradler (Neusiedler See, Österreich) - zwar keine Schelladler, aber dennoch ähnlich selten wie diese in Deutschland

Haben Sie sich schon einmal gefragt, welche Vögel gerade eben über Ihr Haus hinweg fliegen, während Sie innen sitzen und nichts tun? Ich bin mir sicher, dass viele Vogelbeobachter diesen Gedanken ab und an einmal haben. Tatsächlich passieren die meisten (Zug)vögel Deutschland, ohne von auch nur einem einzigen Beobachter gesehen zu werden. Jedoch ist es Dank dem GPS auch möglich geworden, manche Vögel wortwörtlich auf Ihrem Weg in den Süden zu folgen. So können auch einige Seltenheiten auf diese Weise nachgewiesen werden, obwohl sie von keinem Vogelbeobachter direkt gesehen wurden. Genau das fand im Herbst 2015 wieder einmal von deutschen Birdern vollkommen unbemerkt statt.

 

Vor ein paar Tagen habe ich ein bisschen im Internet gesurft und bin dabei auf eine interessante spanische Vogelbeobachtungsseite gestoßen, die in einem ihrer letzten Blog-Einträge einen Schrei-x-Schelladler Hybrid hervorgehoben hat, dessen Zugweg mit einem GPS-Tracker "verfolgt" werden konnte. Auf der beigefügten Karte sah es so aus, als ob genannter Adler auch Süddeutschland auf seinem Weg in den Süden durchquert hatte. Als ich jedoch näher hereinzoomte, stockte mir doch der Atem, denn der Vogel war offenbar direkt über Bamberg gezogen. Ein tatsächlicher herausragender Nachweis!

 

Sowohl Schrei- als auch der Schelladler sind in den meisten Teilen Deutschlandes äußerst selten, wobei der erste in Brandenburg und Mecklenburg-Vorpommern auch brütet, wenngleich in geringer und abnehmender Zahl. Da vor allem der Schelladler stark in seinem Bestand abnimmt und daher als stark gefährdet eingeordnet wird, gibt es zunehmend Mischehen mit dem Schreiadler, weshalb die Anzahl der Hybride steigt. Die Unterscheidung beider ist ohnehin schon nicht gerade einfach, doch wenn auch Hybride in die Überlegungen mit einbezogen werden, stellen sich manche Vögel als unbestimmbar heraus. Daher sind solche "GPS-Nachweise" vielleicht die sichersten Nachweise.

 

Ganz nebenbei wurden in Franken schon zwei ebenfalls außergewöhnliche Vögel mittels GPS-Tracker registriert: Zunächst wäre da Tönn (ebenfalls ein Schelladler) zu nennen, der Deutschland seit 2008 zwei Mal jährlich passiert hat, jedoch bis zum Frühjahr 2013 (Oberkotzau, Lkr. Hof) niemals beobachtet werden konnte, was ihm auch den Nahmen "Phantom-Adler" eingebracht hat.

 

Und schließlich gab es auch noch den Bartgeier Bernd (hier ist seine Route), der einen recht weitläufigen Trip durch Deutschland hingelegt hat. Im August 2014 stoppte allerdings die GPS-Übermittlung, da der Vogel seinen GPS-Sender nahe dem fränkischen Kronach verloren hatte. Ein paar Tage darauf wurde der Geier geschwächt in Sachsen aufgefunden.

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Kommentare: 1
  • #1

    Sebastian Lehmeier (Mittwoch, 14 Dezember 2016 13:04)

    Hallo Thomas,
    Glückwunsch, wir können uns die Hand geben. Ich hab mir gerade die Zugrouten des Hybriden angeschaut: In einem anderen Frühjahr ist der Vogel genau entlang unserer Ortsumgehung südlich an Bad Langensalza vorbei... Sachen gibts!
    Beste Grüße, Sebastian