Blutspecht - Bestimmung

Da mir das Wetter der letzten beiden Tage keine Gelegenheit zur Vogelbeobachtung gegeben hat, bin ich noch einmal durch meine Notizen zum Blutspecht vom letzten Samstag gegangen. Ich weiß, es ist jetzt schon der vierte Blog-Eintrag in Folge über diesen Specht. Doch ich glaube, dass es sehr wichtig ist, sich Gedanken über die Unterscheidung vom sehr häufigen Buntspecht zu machen. Zwar sehen beide Arten auf den ersten Blick beinahe identisch aus, können jedoch mit einem gezielten Blick auf die richtigen Kennzeichen schnell, sicher und auch einfach von einander unterschieden werden. Im Internet wurde auch gemutmaßt, dass der Blutspecht möglicherweise schon ein Brutvogel in Deutschland ist, wenngleich er bislang übersehen wurde, da man sich nur selten die Zeit nimmt, jeden Buntspecht genauer unter die Lupe zu nehmen.

 

 

Was also ist mir am Kronacher Vogel aufgefallen:

  • Zunächst einmal der Jizz: Schon als ich den Vogel zum ersten Mal durch das Fernglas gesehen hatte, ohne dabei auf irgendwelche Unterscheidungsmerkmale geachtet zu haben, wusste ich augenblicklich, dass das kein normaler Buntspecht war. Dies deckt sich auch mit den Beobachtungen der Anwohner, mit denen ich vor Ort gesprochen hatte. Auch ihnen kam der Specht anders vor, obwohl sie nicht genau wussten warum das so war. Ich glaube, dass die Kombination an kleinen Unterschieden den Vogel ein "offeneres Gesicht" verleihen, was natürlich sehr subjektiv ist. 
  • Am wichtigsten ist die fehlende Verbindung von schwarzem Wangestreif und Nacken. So konnte der Vogel am letzten Samstag auch aus großer Entfernung (200 - 300 Meter) sicher identifiziert werden.
  • Der rote Nackenfleck ist deutlich größer und reicht sogar auf den Scheitel. Ich hätte nicht gedacht, dass das im Feld so deutlich zu sehen wäre ohne Vergleich zu einem Buntspecht.
  • Schließlich sind die Federn an der oberen Schnabelbasis beim Blutspecht weiß und beim Buntspecht schwarz. Um das zu sehen, muss man allerdings schon sehr nahe kommen.
Blutspecht (links) - Buntspecht (rechts)
Blutspecht (links) - Buntspecht (rechts)
  • Allgemein weist der Blutspecht einen längeren und schmaleren Schnabel auf, was - wie ich finde - in natura nur sehr schwer zu beurteilen ist. Auf den Bildern ist dieser Unterschied jedoch erkennbar.
  • Ferner zeigt der Blutspecht eine leichte Strichelung an den Flanken, welche beim Kronacher Vogel schön zu sehen war, als er am Ende recht nahe gekommen war.
  • Laut Bestimmungsliteratur sollen beim Blutspecht weniger weiße Flecken am Schwanz sichtbar sein, was ich allerdings nicht mit dem Foto festhalten konnte, da der Vogel diese Flecken meist mit seinen Flügeln bedeckte.
  • Zu guter Letzt soll auch dem Unterschied beim Ruf Aufmerksamkeit geschenkt werden. Im Vergleich klingt - zumindest für meine Ohren - der Buntspecht härter und ein bisschen höher. Leider sind mir keine vernünftigen Tonaufnahmen gelungen, weshalb ich zu xeno-canto.org verlinken muss, wo sich jeder selbst ein Bild machen kann.

 

Mit diesen Merkmalen im Hinterkopf sollte es möglich sein, gute Kandidaten für Blutspechte von den heimischen Buntspechten abzusondern. Mit ein bisschen Geduld sollte der nächste Nachweis dieser Art in Deutschland bald erwartet werden können.

 

Quelle:

Svensson L., K. Mullarney und Zetterström D.: Der Kosmos Vogelführer - Alle Arten Europas, Nordafrikas und Vorderasiens, Stuttgart 2011.

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Kommentare: 3
  • #1

    der vogelhund (Sonntag, 19 Juni 2016 13:39)

    syrische Spechte kommen vermutlich mit den anderen Lebewesen ins Land. Austausch und Vermischung auf ganzer Linie. Darwin würde ausflippen vor Freude.

  • #2

    Birding Franconia (Montag, 20 Juni 2016)

    Danke für den Hinweis. Allerdings ist mir nicht klar, was Sie mit Ihrem ersten Satz sagen wollen, denn der Blutspecht weist schon seit Jahrzehnten eine stetige Ausdehnung nach NW auf. So liegen die westlichsten Brutplätze derzeit schon in Niederösterreich (Krems a.d. Donau), weshalb man durchaus erwarten kann, dass diese Art in Deutschland zunehmend häufiger gesichtet werden wird.

    Mit der Hybridisation und allmählichen Vermischung haben Sie natürlich Recht.

  • #3

    Gerda schülein (Montag, 02 Januar 2017 15:25)

    Habe z.Zt. Viele Vögel vor meinem Fenster, da ich schon seit längerem Futter ausgelegt habe, u.A. Rotkehlchen, bunt- o. Blutspecht,kernbeisser,Stare,Amseln usw. Sollte evtl Interesse bestehen, dies zu besichtigen,melden sie sich einfach bei mir. Mit freundlichen Grüßen frau schülein