Frankens Ferner Osten

Der März war für mich ein sehr produktiver Beobachtungsmonat, vor allem in der letzten Woche. Dennoch stellt das Fichtelgebirge, mein heutiges Ausflugsziel, die vorangegangenen Tage weit in den Schatten. Frankens höchstes "Gebirge" gehört zu den unbekanntesten Vogelbeobachtungsgebieten Deutschlands, obwohl zahlreiche qualitativ hochwertige Arten dort brüten (sollen) wie Auerhuhn, Ringdrossel und überraschender Weise auch Dreizehenspecht. Dementsprechend konnte ich auf ornitho.de nur wenige Eintragungen für das Gebiet finden. Zeit das zu ändern.

 

Für meinen Besuch wählte ich eine Wanderroute aus, die drei vielversprechende Gebiete kombiniert: Der Aufstieg erfolgt von einem gut ausgebauten an der B303 gelegenen Wanderparkplatz über den Nußhardt zum Schneeberg (höchste Erhebung Frankens mit 1053m), von wo man über den Haberstein wieder zurück zum Ausgangspunkt wandert (Gesamtlänge: 9,3 km, 300 Höhenmeter) . Da das Wetter jedoch April typisch unberechenbar war, musste ich bis 10 Uhr warten, bis der Regen zu mindest vorläufig aufgehört hatte. Ein recht später Start, schließlich hat zu diesem Zeitpunkt die Aktivität der Vögel schon stark abgenommen.

 

Nichtsdestotrotz ließen sich schon vom Parkplatz Buchfink, Wintergoldhähnchen sowie Tannen- und Haubenmeisen in vollem Gesang vernehmen. Alle vier sollten beinahe ständige Begleiter auf der Wanderung sein ebenso wie der Schnee auf den Wegen, der manche Stellen sehr rutschig und auch schwierig gemacht hat.

Nach gut einer Stunde schließlich kam die Sonne durch die Wolken und fabrizierte eine wunderbare Lichtstimmung. Die Landschaft dementsprechend intensiv bewundernd hätte ich beinahe eine überfliegende Rohrweihe verpasst, ein sicherlich ungewöhnlicher Fund in dieser Region.

 

Am Nußhardt erwartete mich bei noch beständigem Sonnenschein ein Rundumpanorama sowie einige überfliegende Finken, unter denen sich auch die ersten Fichtenkreuzschnäbel der Wanderung befanden. Ebenfalls erfreulich waren einige Haubenmeisen, die sich aus der Deckung der Baumkronen wagten. Anschließend ging es weiter gen Schneeberg.

Am Gipfel der eben genannten Erhebung angekommen frischte der Wind auf und die Wolkendecke begann sich wieder zu schließen. Dafür riefen aus der Umgebung Fichtenkreuzschnäbel, meine ersten fränkischen Tannenhäher und eine leider unbestimmte Drossel, die im Nachhinein eine Ringdrossel gewesen sein könnte, welche in geringen Zahlen die Hochlagen des Fichtelgebirges bewohnt. 

 

Daraufhin stieg ich über den Westhang wieder ab in Richtung Haberstein. Dabei dauerte es nur wenige Minute bis ich den Flugruf eines Schwarzspechtes vernahm, welcher zunächst aus der Ferne rief, dann näher und näher kam, um dennoch ungesehen zu bleiben. Schade, denn das wäre meine erste Sichtung dieser Art (Rufe und Trommeln sind dagegen oft zu hören) seit über fünf Jahren gewesen.

Daher war ich sofort wieder angespannt, als einige hundert Meter weiter der nächste Schwarzspecht rief gefolgt von einem zweiten und schließlich von einem dritten. Wenig später flog einer der erregten Spechte in weiten Bögen durch den Wald immer seine Position wechselnd, was sich für das Photographieren als äußerst schwierig herausstellte. Mir gelang nur ein Belegbild, als der Vogel gerade hinter einigen Zweigen verborgen war. 

 

Während ich mit diesem Dreiergespann beschäftigt war, begann nicht weit von dort entfernt ein weiterer Specht zu trommeln, merklich kürzer als die Schwarzspechte. Dank der intensiven Vorbereitung im Vorfeld konnte ich diesen als Dreizehenspecht bestimmen. Ein großer Erfolg! Als ich versuchte, ihn mit dem Tonaufnahmegerät zu dokumentieren, muss ich auf eine falsche Taste geraten sein oder eine falsche Einstellung getroffen haben, so dass mir leider kein brauchbarer Tonbeleg gelang. Durchwegs ärgerlich.

 

Jetzt muss man hoffen, dass das Fichtelgebirge nicht weiter unbemerkt von der deutschen Birderszene bleibt und sich in Zukunft mehr Vogelbeobachter in dieses Terrain wagen. Immerhin hat man eine gewisse Chance auf einige alpine Arten. Alles in allem ist das Gebiet hervorragend ausgeschildert und über den ornithologischen bzw. naturkundlichen Wert der Region wird auf zahlreichen Informationstafeln verwiesen, die auch klar den Schutzstatus dieser Arten darstellen.

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