Schicksalssymphonie

Der aufmerksame Leser wird sich, nachdem er die Überschrift gelesen hat, wohl fragen, was Beethovens berühmte fünfte Symphonie mit der Vogelwelt zu tun hat. Nun, nach einer Anekdote soll der bekannte Komponist bei einem Spaziergang einen Singvogel mit markantem Gesang gehört haben, der ihn zu dieser Symphonie inspiriert haben soll. Die Rede ist vom Ortolan, dessen Gesang man mit ein bisschen Fantasie tatsächlich im Hauptmotiv der Schicksalssymphonie erahnen kann.

 

Genau um den sollte es heute gehen. So lange ich weiß, dass diese Art in meiner näheren Umgebung vorkommt, möchte ich ihn zumindest einmal im Jahr sehen und hören. Normalerweise klappt das auch im Hausgebiet während des Frühjahreszugs, nur dieses Jahr eben nicht. Grund genug also den Vogel in seinem Brutgebiet aufzusuchen, das nächste liegt eine etwa 40-minütige Autofahrt von Bamberg entfernt, nahe des Ortes Grettstadt.

 

Allgemein, sieht die Lage für den Ortolan düster aus. Da in ganz Europa die Kulturlandschaft immer monotoner wird, verschwindet diese einstmals häufige Art rapide. So ist diese Ammerart in fast ganz West- und Süddeutschland praktisch ausgestorben, nur im Osten gibt es noch einiger Maßen stabile Populationen. Daher kommt Franken eine Sonderstellung zu, da sich am östlichen Maindreieck ein isoliertes aber immer noch abnehmendes Brutvorkommen befindet, das einzige im südlichen Deutschland.

Betrachtet man das, wirkt es schon fast so, als wenn der Ortolan mit seinem melancholischen Gesang sein eigenes Schicksal besingen würde, seine eigene Schicksalssymphonie sozusagen.

 

Mit ungefähr 10 tapfer ausharrenden Sängern pro Jahr gehört die Kulturlandschaft südlich Grettstadts noch zu den verlässlichsten Stellen für diese Art. Daher musste ich nicht lange auf den ersten Ortolan warten, der in einem Baum sang. Natürlich blieb er nicht der Einzige, sondern stellte sich als einer von insgesamt sieben Revierhaltern heraus. Keine schlechte Zahl, jetzt muss nur noch das Wetter für die nächsten Wochen nicht allzu feucht werden, dann sollten die Ortolane dieses Jahr Erfolg mit ihrer Brut haben.

Tonaufnahme von heute (der Ortolan setzt erst nach dem Buchfinken am Anfang ein!):

Selbstverständlich blieb es nicht bei den Ortolanen, denn auch Nachtigallen, Neuntöter und Baumpieper ließen sich zuverlässig entlang des Weges finden. Während Erstere sich tief im Gebüsch jeglichen Blicken entzogen, zeigten sich Letztere oftmals recht frei und außerordentlich photogen. Lediglich meine Hoffnung auf meine erste Turteltaube dieses Jahr wurde nicht erfüllt, vielleicht war es zu windig.

 

Auch die umliegenden Felder waren gefüllt mit Vögeln. Schön zu sehen, dass auch hier die Feldlerche noch zahlreich vorhanden ist ebenso wie die Wiesenschafstelze. Dagegen erfreute mich mein nun zweiter Baumfalke im Jahr 2016 nur kurz, als er von der Windschutzhecke quer über die Felder flog.

Auf einem recht großen Feld schließlich konnte ich einige nach Nahrung suchende Schafstelzen entdecken. Waren die meisten eindeutige männliche Wiesenschafstelzen, so war auch ein weibchenfarbiger Vogel dabei, den ich nicht einordnen konnte. Auffällig hierbei war der deutlich gelbe Überaugenstreif und das insgesamt sehr kontrastreiche Gefieder, was sich deutlich von einer benachbarten weiblichen Wiesenschafstelze unterschied.

 

Da die anderen Schafstelzenunterarten bzw. -arten sich nur sehr selten hier zeigen, habe ich leider nicht viel Erfahrung mit diesem Thema. Vielleicht kann jemand helfen (fraglicher Vogel nur auf den letzten beiden Bildern) ?

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