Der krönende Abschluss

Nach zwei Tagen ohne Vogelbeobachtung ging es dann endlich wieder los zu Runde Zwei am Neusiedler See. Zwei wesentliche Veränderung gab es jedoch, denn einerseits war ich mit dem Auto jetzt wesentlich mobiler und andererseits ermöglichte mir eine Broschüre über die Vogelwelt des Seewinkels diesen zweiten Tag wesentlich besser zu planen.

 

Trotz dessen fing ich dort an, wo ich am anderen Tag aufgehört hatte, nämlich an der Fotohütte bei der Warmblutkoppel. Wie beim letzten Mal ließ sich eine bunte Palette an Wasser- und Singvögeln beobachten, unter denen sich auch meine erste Moorente befand. Auch der Wiedehopf kam für eine Stippvisite wieder zurück, jedoch bemerkte ich ihn viel zu spät. Stattdessen war ich mit einem fantastisch kooperativen Seidenreiher beschäftigt, der stellenweise praktisch direkt vor der Hütte auf Fischjagd ging.

Danach sah der Plan wieder einen Kontrollbesuch am Illmitzer Zicksee vor, um eventuell weiteren seltenen Limikolen zu begegnen, wurde diesbezüglich jedoch schnell enttäuscht. Als Ersatzziel peilte ich nun die Graurinderkoppel an, die in besagter Broschüre als traditionelles Beobachterziel im Seewinkel beschrieben wurde.

 

Eine halbe Stunde später stand ich bereits in der Beobachtungsvorrichtung und suchte mit dem Spektiv die weiten Grünflächen vor mir ab. Diese waren mit hunderten Graugänsen und ungefähr 50 Kiebitzen gut gefüllt, wobei die meisten Vögel viel zu weit für entsprechende Bilder entfernt waren. Die Atmosphäre einer beinahe heilen Welt wurde zusätzlich noch durch den rustikalen Gesang der Grauammern unterstrichen, einer hier in Süddeutschland mittlerweile nur noch sehr lückenhaft verbreiteten Art.

 

Nach ein paar Minuten zahlte sich das aufmerksame Absuchen der Uferlinie endlich aus, als ich dort einen relativ kleinen beigefarbenen Reiher entdeckte, den ich als Rallenreiher bestimmen konnte. Im Glauben eine auch für Österreich sehr seltene Art vor mir zu haben, schoss ich einige grauenhafte Belegbilder auf eine Distanz von mehreren hundert Metern. Im Nachhinein erfuhr ich, dass in Österreich diese Art nicht protokolliert werden muss. Trotzdem ein schöner Fund.

 

Wie bereits erwähnt bot die Graurinderkoppel kaum Gelegenheit für schöne Bilder und so ging es im Anschluss zur Neubruchlacke, um die ufernah ein befahrbarer Feldweg führt, von dem Limikolen oft aus nur geringer Distanz beobachtet werden können. Da Worte so ein Erlebnis nur ungenügend widergeben können, folgt jetzt eine kleine Auswahl meiner Bildern von dort ganz gemäß dem Motte "ein Bild ist mehr wert als tausend Worte" ...

 

Nach einer kleinen Nachmittagspause brach ich zu einem meiner absoluten Favoriten am Seewinkel auf, dem Hánsag an der Grenze zu Ungarn, wo einige der letzten Großtrappen Mitteleuropas beobachtet werden können. Letztes Jahr musste ich von dem Beobachtungsturm nur wenige Minute warten, bis sich die imposante Vögel auf einem nahe gelegenen Acker bemerkbar machten. Dieses Jahr dagegen dauerte es eine gute halbe Stunde und die drei gesichteten Exemplare standen sehr weit entfernt in hohem Gras. Also noch einmal die Devise: toller Vogel, aber schlechtes Bild.

 

Natürlich bietet die Umgebung dort noch wesentlich mehr, denn aufgrund des großfächigen Schutzgebietes mit seinem Mosaik aus brachliegenden Flächen und landwirtschaftlich genutzten Feldern leben hier auch viele weitere seltene Wiesenvögel. So vernahm ich bei meinem Besuch dort meine erste Wachtel des Jahres, konnte zwei überfliegende Kaiseradler beobachten und einen erschreckend zutraulichen Großen Brachvogel ablichten.

Schon wieder auf dem Weg zur Unterkunft ging es noch zu einem letzten Gebiet, dem Ungerberg bei Weiden/See. Dort befindet sich nämlich eine recht bekannte und auch große Bienenfresserkolonie. Bei bestem Abendlicht ließen sich die Tiere wunderbar bei Nahrungssuche und dem Graben ihrer Bruthöhlen beobachten und photographieren. Damit konnte ich eine wesentliche Lücke meines Aufenthalts hier schließen, denn bis dorthin konnte ich nur ein einziges Mal drei überfliegende Bienenfresser beobachten, von denen ich nicht einmal ein Bild habe.

 

Damit ist auch mein Ausflug am Neusiedler See zu Ende gegangen und mit 107 Arten, die ich an diesem Tag beobachten konnte, kann ich auch sehr zufrieden mit dem Ergebnis sein. In diesem Sinne eine klare Besuchsempfehlung meiner Seits für den Neusiedler See.

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