Dritte Chance

War ich eigentlich für den heutigen Tag auf sintflutartige Regenfälle gefasst, so überraschte mich der Morgen dagegen mit strahlendem Sonnenschein. Glücklicherweise bestätigte der Wetterbericht auch, dass es keine Illusion ist und das Wetter die nächsten fünf Stunden noch halten soll. Also bot sich genügend Zeit für eine kleine Vogelbeobachtungstour. Dafür habe ich das Mohrhof-Weihergebiet ausgewählt, etwa 30 Kilometer südlich von Bamberg.

 

Ja, das Gebiet ist bereits in der Broschüre enthalten und wird seinen Platz auch behalten. Trotzdem wollte ich einen Kontrollbesuch unternehmen, um mir die derzeitige Lage dort anzusehen und so aktuelle Informationen zum Gebiet zu erhalten. Dabei handelt es sich erst um meinen dritten Besuch, was v.a. daran liegt, dass zwei eher enttäuschende Besuche bei großer Hitze keine unbedingt positiven Erinnerungen hervorgerufen hatten. Allerdings brüten einige recht seltene Vogelarten in dem Gebiet, weshalb ich ihm heute eine dritte Chance gegeben habe.

 

Wie sonst auch machte ich mich zur klassischen Strichweiher-Runde südöstlich Biengarten auf, die den Kern meiner Gebietsbeschreibung in der Broschüre bildet. Als Parkplatz dient ein kleiner Rastplatz mit einer Bank wenige hundert Meter südlich des Ortsschilds von Biengarten. Von dort geht der Weg gerade zu den ersten Weihern hin, wo ich - im Gegensatz zu den Besuchen 1 und 2 - dutzende Enten, darunter Kolben- und Schnatterenten, beobachten konnte. Im Schilf um diese Weiher herum sangen insgesamt vier Rohrsängerarten, was hier heutzutage schon Seltenheitswert hat.

Ein Blick zum Himmel erbrachte schließlich einen überfliegenden Wespenbussard, der noch eine Runde drehte und mir so einige Bilder von ihm ermöglichte. In der Zwischenzeit war der Weg merklich schmaler geworden und von Gras geradezu überwuchert. Das machte mitunter den Eindruck, als ob niemanden der Zustand dieses Weges interessieren würde, welcher am "Parkplatz" auf einer mit Graffiti besprühten Infotafel als markierter Rundweg ausgewiesen ist.

Nach gut 20 Minuten erreichte ich schließlich die Lücke im Schilfgürtel, durch die man auf den sehr lohnenden Großen Strichweiher blicken kann. An dessen gegenüberliegenden Ufer befanden sich nämlich dutzende Kolbenenten und brütende Lachmöwen. Nach kurzer Zeit tauchte unter diesen auch ein Schwarzhalstaucher auf, auf den ich sehr gehofft hatte. Schließlich handelt es sich beim Mohrhof-Weihergebiet um eines der wichtigsten Brutgebiete dieser Art in Süddeutschland.

 

Zwar kommt der Schwarzhalstaucher auch im Landkreis Bamberg vor, jedoch hatte ich noch nie die Gelegenheit für ein vernünftiges Bild. Daher hoffte ich darauf, dass ein Exemplar etwas näher an mich herankommen würde, wonach es zunächst jedoch nicht aussah. Schließlich entdeckte ich am Rande des Schilfgürtels ein Individuum, das sich bei seiner Nahrungssuche immer mehr auf mich zu bewegte. Ich ging in die Hocke, um einen besseren Aufnahmewinkel zu erhalten, als der Taucher bereits direkt vor mir auftauchte. Von diesem Punkt an ließ ich den Auslöser nicht wieder los, bis der Vogel erneut abtauchte und aus meinem Sichtfeld endgültig verschwand. Zwar ist nicht jedes Bild scharf, aber so eine Gelegenheit werde ich wohl so schnell nicht wieder bekommen.

Die zweite Hälfte des Rundwegs war dagegen eher unspektakulär, so ließen sich Purpurreiher und Zwergdommel leider nicht feststellen, wahrscheinlich war ich einfach zu spät unterwegs. Im Angesicht eines zufriedenstellenden Ausfluges packte ich meine Ausrüstung zusammen, was sich jedoch als zu voreilig herausstellte.

 

Stand nicht in einer Pfütze beim Parkplatz allen Ernstes ein Waldwasserläufer? Ich versuchte mein Bestes und holte die Kamera wieder hervor, aber in der Zwischenzeit war ich längst registriert und als potenzielle Bedrohung identifiziert, was zum abrupten Abflug des Vogels führte. Höchst ärgerlich, stellt doch ein Nachweis zur Brutzeit eine große Besonderheit dar. Oder handelt es sich bereits um einen sehr zeitigen Durchzügler? Wie dem auch sei, dieser schöne Vogel bildete einen gelungenen Abschluss meiner Mohrhof-Tour. Damit kann Besuch Nr. 4 kommen.

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