Nach langem Warten

Endlich kam der Tag, an dem ich wieder einmal die Lange Rhön besuchen konnte. Das Hochplateau im Dreiländereck Bayern - Hessen - Thüringen gehört sicherlich zu den interessantesten Vogelbeobachtungsgebieten Frankens und auch darüber hinaus. Lange schon habe ich auf eine geeignete Möglichkeit gesucht, das Gebiet wieder aufsuchen zu können, da mein letzter Besuch nebelbedingt recht unspektakulär blieb.

 

Mein ursprünglicher Plan war es möglichst früh aufzubrechen, um noch Chancen auf balzende Bekassinen und Waldschnepfen zu haben. Allerdings habe ich die Anfahrtszeit wesentlich unterschätzt und bin erst gegen 08:30 am Parkplatz angekommen. Zu diesem Zeitpunkt machte sich ein anderer Vogelbeobachter gerade wieder auf den Heimweg, der am frühen Morgen schon balzende Birkhühner gesehen hatte! Auch wenn ich mit dieser Art kein Glück hatte - was angesichts der Seltenheit und der vorangeschrittenen Zeit zu erwarten war - , konnte ich einige fantastische Stunden in dem Gebiet mit insgesamt rund 50 Arten verbringen.

 

Dabei ließen sich viele meiner Zielarten wie Raubwürger, Wespenbussard oder Schwarzkehlchen leider nicht blicken. Trotzdem ist es schier überwältigend, an jeder Wegbiegung dutzende Feldlerchen, Wiesen- und Baumpieper vorzufinden, ein in unserer Zeit wahrlich seltener Anblick.

 

Zunächst bin ich Richtung Heidelstein aufgebrochen und anschließend über den Schwabenhimmel zurück zum Parkplatz gelaufen. In der Umgebung von Letzterem ist das Gelände recht buschreich und beherbergte meinen ersten Sumpfrohrsänger des Jahres. Ansonsten war das Artenspektrum recht gewöhnlich, die Aussicht dagegen sagenhaft, eine angemessene Entschädigung.

Im Anschluss ging es in die entgegengesetzte Richtung, nämlich zur Schornhecke. Im kleinen Wäldchen am Parkplatz gelang es mir auch meinen ersten Fichtenkreuzschnabel dieses Jahr erfolgreich zu sichten und zu photographieren. Zwar machen diese interessanten Finken auch in der Umgebung von Bamberg regelmäßig durch ihre markanten Rufe auf sich aufmerksam, jedoch sind sie dann schwer zu Gesicht zu bekommen. Somit bin ich froh, dass mir auch ein ganz passables Bild von dieser Art gelungen ist.

 

An den Wiesen jenseits des Waldes kehrte dann wieder das bereits erwähnte Standardinventar zurück, wobei sich hier auch vier Braunkehlchen aufhielten. Letztere sind Bewohner einer abwechslungsreichen Kulturlandschaft und nehmen erschreckend schnell durch das Verschwinden dieser ab. Hier in der Rhön dagegen ist diese Art zum Glück noch ein regelmäßiger Brutvogel.

 

An dieser Stelle kann ich noch einen Hinweis für die Besitzer der Broschüre geben: Wer Route II ins Auge fasst, sollte davon absehen an der Straße zurück zum Parkplatz zu gehen. Ich empfand es als recht unangenehm, eine halbe Stunde bergauf am Straßenrand zu wandern.

 

Zum Abschluss ging es noch in das Rote Moor in der Hessischen Rhön. Leider war es zu diesem Zeitpunkt schon Mittag und die Vogelwelt daher recht inaktiv. Nichtsdestotrotz durfte ich mich über meinen ersten Baumfalken des Jahres freuen. In diesem Sinne waren diese zwei zusätzlichen Stunden trotzdem gut investiert.

 

In ein oder zwei Wochen wird die Rhön noch einmal interessanter, wenn mit dem Karmingimpel eine weitere heiß begehrte Art eintrifft. Doch auch jetzt schon lohnt sich ein Ausflug in die Rhön vollkommen und ich freue mich schon auf das nächste Mal.

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