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Auf diesem Blog stelle ich einige meiner Beobachtungen und Notizen über die fränkische Vogelwelt dar. Hauptfokus liegt auf dem Raum Bamberg, andere Regionen werden natürlich auch berücksichtigt.

 

Wer sich ein allgemeines Bild machen möchte, der kann sich auf www.ornitho.de über aktuelle Beobachtungen informieren. Wer nicht angemeldet ist, kann allerdings nur die letzten sieben Tage einsehen. Einfach diesem Link folgen (Einstellungen sind bereits getroffen).



Möwen am Hochreinsee

Schon seit einiger Zeit hatte ich wieder einmal einen Ausflug zum Hochreinsee vor, wozu ich dann vor ein paar Tagen auch die Gelegenheit hatte. Meine Hoffnung in Bezug auf etwas Besonderes wurden jedoch zunächst ein wenig gedämpft. Auf den ersten Blick schienen tatsächlich, nur die üblichen Verdächtigen anwesend zu sein: Gut zwei hundert Graugänsen inkl. dutzender Jungtiere, ein singender Drosselrohrsänger und eine Rohrweihe, die über dem Schilf kreiste.

 

Zum Glück verbrachte ich etwas mehr Zeit vor Ort, denn nach ein paar Minuten entdeckte ich eine Gruppe Großmöwen, die über dem See ihre Kreise zogen. Einige kamen schnell auch näher und ließen sich traumhaft fotografieren. Bei den meisten handelte es sich mit großer Sicherheit um Mittelmeermöwen, quasi die Standard-Großmöwe des süddeutschen Binnenlandes. Mit hoher Wahrscheinlichkeit hat an diesem See auch ein Paar erfolgreich seine Jungen großgezogen, dafür sprechen regelmäßige Beobachtungen in den letzten Monaten und immerhin waren auch heute zwei Jungtiere zu sehen.

adulte Mittelmeermöwe
adulte Mittelmeermöwe

Ein etwas genauerer Blick ließ mich jedoch auch auf eine weitere Großmöwe aufmersam werden, die sich von den anderen adulten Exemplaren sichtbar abhob. Das Grau auf der Oberseite war heller, die schwarze Flügelspitze wirkte wesentlich kleiner aufgrund der ausgeprägten grauen "Zungen" auf den Handschwingen und die Spitzen der HS waren umfangreicher weiß gefärbt (die Spitze der HS 10 z.B. war komplett weiß). Das sind alles Merkmale, die deutlich für eine Steppenmöwe sprechen. Da sich im Binnenland jedoch zur Zeit Großmöwen-Hybriden zunehmend verbreiten, ist eine eindeutige Bestimmung ohne Ring o.ä. eigentlich nicht möglich. Daher wurde mir geraten, solche Vögel als "Großmöwe mit Merkmalen einer Steppenmöwe" festzuhalten.

 

Auch letztes Jahr schon fiel mir im Sommerhalbjahr eine solche Möwe am Hochreinsee auf, die so wie das Individuum von heute einen Ring am Fuß trug. Wahrscheinlich handelt es sich also um diesselbe Möwe. Schade nur, dass ich den Ring bei keiner Gelegenheit ablesen konnte.

vermutliche Steppenmöwe
vermutliche Steppenmöwe

Nichtsdestotrotz, das eigentlich Highlight des heutigen Tages war jedoch überraschender Weise eine andere Großmöwenart. Denn kurz darauf segelte auch eine adulte Heringsmöwe über dem Wasser. Das Besondere hierbei ist, dass diese Art eigentlich nur in Norddeutschland anzutreffen ist, insbesondere in Küstennähe. Eine Heringsmöwe einmal im Süden beobachten zu können, ist also schon allein Grund zur Freude, allerdings in den Sommermonaten dazu die Gelegenheit zu bekommen, ist noch einmal mehr ungewöhnlich, da diese Art tendenziell eher im Winterhalbjahr hier auftritt. Für mich war insgesamt auffällig, wie deutlich sich die Heringsmöwe durch ihre kompaktere Gestalt und die Färbungsunterschiede von den Mittelmeermöwen abhob, was ja bei Großmöwen keinesfalls eine Selbstverständlichkeit ist (siehe z.B. oben im Fall mit der möglichen Steppenmöwe).

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Zwei auf einen Streich

Eigentlich hatte ich für heute einen Ausflug ins Fichtelgebirge geplant, um auf Dreizehenspechtsuche zu gehen, jedoch veranlasste mich die Meldung eines Sprossers aus dem Mohrhof-Weihergebiet, meine Pläne kurzfristig noch einmal zu ändern. Die Schwesternart der bei uns vorkommenden Nachtigall kommt eigentlich von Osteuropa bis Asien vor, ihre westliche Verbreitungsgrenze liegt dabei im Osten Deutschlands. Sichtungen dieser Art jenseits dieser haben durchaus Seltenheitswert, weshalb ich diese Gelegenheit einfach nutzen musste.

 

Erster Anlaufpunkt war natürlich der Ort, an dem der Vogel zuletzt gesehen wurde, in diesem Fall die Gebüsche am Südufer des Großen Weihers nördlich des Weilers Mohrhof. Nur blieb es dort zunächst sehr ruhig in Bezug auf den Sprosser (was nicht für andere Vogelarten gilt). Nach einer Wartezeit von einer Viertelstunde kamen schließlich die ersten verdächtigen Töne aus einem der Büsche vor mir. Mit einem Tonaufnahmegerät konnte ich so zu mindest einen Nachweis für die Anwesenheit des zurückhaltenden Vogels anfertigen, denn auch nach weiteren 20 Minuten blieb der Sprosser in Deckung und gab nur hin und wieder ein paar Gesangsstrophen zum Besten.

 

Da sich an dieser Situation nichts zu ändern schien, machte ich mich wieder auf den Rückweg, auf dem ich noch einen Abstecher zum Großen Strichweiher unternahm, um noch ein paar Schwarzhalstaucher ablichten zu können, was auch gelang. Auf dem Weg dorthin hörte ich ferner Zwergdommel, Purpurreiher, Rohrschwirl und Schilfrohrsänger. Dieser Teil des Tages hatte sich also schon einmal gelohnt.

Graureiher
Graureiher
Schwarzhalstaucher
Schwarzhalstaucher

Die zweite Zielart, die ich mir heute ausgesucht habe, war der Zwergschnäpper. Im Wald bei Tennenlohe, ein Vorort von Erlangen, hält sich nämlich schon das zweite Jahr in Folge ein einzelnes Männchen auf. Scheinbar unermüdlich singt der kleine Kerl, wobei sich ein Weibchen vermutlich nicht einmal in der Nähe befindet. Allerdings hat sich der Zwergschnäpper offensichtlich an die Anwesenheit des Menschen gewöhnt und ließ mich sehr nahe an sich herankommen bzw. flog zu Singwarten, die vielleicht einen bis zwei Meter von mir entfernt waren (so ist das letzte Bild entstanden).

Zwar war das Licht nicht unbedingt günstig, aber aufgrund der oft geringen Distanz gelangen mir trotzdem einige schöne Bilder.

Zwergschnäpper
Zwergschnäpper
Zwergschnäpper
Zwergschnäpper
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Zwei intensive Beobachtungstage

Da man laut Wetterbericht in den nächsten Tagen mit Gewittern rechnen muss, nutzte ich die beiden letzten schönen Tage noch einmal voll aus. Gestern ging es daher zu den Ortolanen bei Grettstadt, ein seit drei Jahren mittlerweile obligatorischer Programmpunkt im Vogeljahr für mich. Unglücklicherweise waren die Bedingungen nicht ganz optimal, schließlich sangen die Ortolane aufgrund des Windes nur sehr zögerlich. Letzten Endes werden es ungefähr so viel Sänger wie im Jahr zuvor gewesen sein, sicher bin ich mir jedoch wie gesagt nicht. Für die mittlerweile seltene Ammerart ist insbesondere das letzte Jahr schlecht verlaufen, bleibt nur zu hoffen, dass diese Brutsaison etwas erfolgreicher wird.

Nette Beigaben in diesem Gebiet waren meine erste Wachtel und mein erster Wendehals des Jahres, auch wenn sie sich nicht zeigten.

Dorngrasmücke
Dorngrasmücke

Heute begann der Tag an der Unterbrunner Mainverlängerung bei Ebensfeld. Noch bevor ich hier aus dem Auto ausgestiegen war, konnte ich schon mit zwei Turteltauben, die auf einer Stromleitung über dem Parkplatz saßen, meine erste Jahreserstbeobachtung des Tages verbuchen. Kaum die Autotür also aufgemacht flötete bereits der erste Pirol aus einem nahegelegenen Waldstück, Jahreserstbeobachtung Nummer 2. Am See selbst sah das Gesamtgeschehen jedoch zunächst  deutlich unspektakulärer aus. Es dümpelten nur ein paar wenige Stockenten und Kanadagänse auf dem Wasser.  Aber auch das änderte sich mit einem kleinen weißen Reiher wieder schnell, der sich als Seidenreiher entpuppte. Zwar nimmt diese Art in Deutschland immer mehr zu, ist jedoch bis jetzt ein eher seltener Anblick. Damit wäre ich eigentlich schon mehr als zufrieden gewesen, aber es ging noch weiter mit guten Vögeln, als ein Feldschwirl mit seinem Gesang einsetzte.

 

Nach einer Weile wechselte ich schließlich zur Beobachtungshütte am Westufer, an dem zahllose Dorngrasmücken sangen. Bei einer etwas genaueren Untersuchung der Büsche kamen noch Neuntöter, Wendehals, Blaukehlchen und Sumpfrohrsänger dazu. Leider ist am Vormittag hier das Gegenlicht sehr stark, sodass schöne Bilder fast unmöglich sind.

Feldschwirl
Feldschwirl

Anstatt sofort danach wieder zurück nach Hause zu fahren, entschied ich mich noch zu einem Abstecher zu den Schorr-Baggerseen bei Breitengüßbach. Dies sollte sich als gute Wahl herausstellen, denn an dem kleinen See direkt an der Bundesstraße nach Baunach rastete neben vier Flussregenpfeifern und einem Kiebitz auch eine Zwergseeschwalbe! Für alle, die in Meeresnähe wohnen, mag das eher wenig spektakulär erscheinen, in Süddeutschland handelt es sich jedoch dabei um eine echte Rarität mit nur wenigen Nachweisen pro Jahr. Nachdem ich den Vogel also für ein paar Minuten im Spektiv genossen hatte, machte ich ein paar Belegbilder und verließ das Gebiet. Was für ein toller Abschluss eines großartigen Beobachtungstages!

Zwergseeschwalbe
Zwergseeschwalbe
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Zurück im Frankenland

Die letzten Wochen war es sehr ruhig hier auf dem Blog, das lag v.a. daran, dass ich mich für drei Wochen in Israel aufgehalten habe. Dieses ist nebenbei gesagt nicht nur ein wunderschönes Land, sondern auch ganz ausgezeichnet zum Vögelbeobachten geeignet. Mehr darüber werde ich in Kürze an dieser Stelle berichtet, jetzt soll es aber erst einmal um einige aktuelle Beobachtungen gehen:

 

Das erste Ziel heute war der Schlangenweg bei Zell a. Ebersberg, der durch einen alten und fast unbewirtschafteten Laubwald führt und daher eine ganze Reihe interessanter Waldvogelarten bietet. Vor allem das Vorkommen von drei Fliegenschnäpperarten macht dieses Gebiet so besonders, von denen ich mir bei meiner Tour wenigstens zwei erhoffte. Doch auf dem ersten Kilometer gab es abgesehen von Waldlaubsängern, Sommergoldhähnchen und Hohltauben nur wenig zu sehen. Es dauerte eine ganze Weile bis ich in einiger Entfernung einen Halsbandschnäpper singen hören konnte. Dieser veränderte kurz darauf seine Position und kam glücklicherweise sehr nah an den Weg heran, sodass ich ihn auch mit der Kamera festhalten konnte.

 

Trotz dieser schönen Beobachtung ist es schockierend, dass ich letzten Endes - einen weiteren Rufer mitgerechnet - nur zwei Halsbandschnäpper lokalisieren konnte und keinen einzigen Trauerschnäpper. Ich kann nur hoffen, dass das am zugegebener Maßen späten Start lag und nicht an einem starken lokalen Bestandsrückgang.

Halsbandschnäpper
Halsbandschnäpper

Im Anschluss fuhr ich dann weiter zum Großen Wörth, der - wie schon einige Male festgehalten - zu meinen Lieblingsgebieten hier gehört. Vor der üblichen Runde um den See machte ich noch einen Abstecher zum angrenzenden Flugplatz, um noch die dort lebenden Grauammern beobachten zu können. So dauerte es keine fünf Minuten, bis ich den so typischen, klirrenden Gesang dieser Ammerart vernehmen konnte.

 

Vom weithin sichtbaren Beobachtungsturm ließen sich Rohrammer, Teich- und Drosselrohrsänger binnen weniger Minuten entdecken, von den Zwergdommeln gab es heute allerdings keine Spur. Vermutlich hätte ich für Letztere noch etwas mehr Geduld haben müssen. Auf dem Rundweg hörte ich schließlich die vertrauten Gesänge von einigen Arten, die ich bisher in diesem Jahr noch nicht beobachten konnte, da sie noch nicht von ihren Winterquartieren heimgekehrt waren, als ich Deutschland im April verlassen hatte, darunter Kuckuck, Gartengrasmücke und Nachtigall.

 

Auf den Sandbänken am gegenüberliegenden Ufer standen heute einige Großmöwen, was im Spätfrühling ein etwas ungewöhnlicher Anblick ist. Zwar gehört die Mittelmeermöwe zu den seltenen Brutvögel in Franken, aber zu mindest die ebenfalls anwesenden Steppenmöwen sind eigentlich nur im Winter hier anzutreffen. Vermutlich hängt dies mit der Ausbreitung dieser Art in den letzten Jahren zusammen. Dazwischen suchten einige Kiebitze und ein Pärchen Flussregenpfeifer nach Nahrung. Somit komme ich heute auf insgesamt 62 Arten, von denen ich 8 in diesem Jahr bisher noch nicht beobachten konnte.

Bachstelze
Bachstelze
Mittelmeermöwe
Mittelmeermöwe
Steppenmöwe
Steppenmöwe
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Ausflug zu den Trieber Baggerseen

Mein letzter Ausflug in die Vogelwelt liegt schon gefühlt eine halbe Ewigkeit zurück und von daher konnte mein heutiger Besuch der Trieber Baggerseen eigentlich nur ein Erfolg werden. Zu viel hat sich seit dieser Zeit verändert: Während die meisten Wintergäste uns bereits verlassen haben, sind einige charakteristische Sommergäste wie z.B. Schwalben schon längst eingetroffen. Dementsprechend war ich auch in keinster Weise überrascht, dass es mit einigen singenden Fitissen gleich zu Beginn eine neue Jahresart gab. Der Blick auf den ersten Baggersee erbrachte neben diesen vor allem eine bunt gemischte Entenpalette bestehend aus Löffel-, Schnatter-, Spieß-, Reiher- und Tafelente.

 

So weit, so gut. Leider spielte das Wetter an diesem Tag nicht wirklich mit und machte das Beobachtungserlebnis mit Schneeschauern, eisig kaltem Wind und in der Tat nur wenigen Lichtblicken recht unangenehm. Gerade noch rechtzeitig konnte ich mich vor einem dieser Schauer in die Beobachtungshütte am zweiten größeren Baggersee retten. Zwar war ich über dieses Dach über dem Kopf zu diesem Zeitpunkt wirklich froh, wurde aber in Anbetracht der geringen ornithologischen Ausbeute jedoch gleichzeitig enttäuscht. Zum Schluss machte ich mich zum letzten sehenswerten See auf, an dessen steilen Ufern ich dutzende Wiesenschafstelzen, einen Flussuferläufer und zwei Waldwasserläufer fand. Über der Wasseroberfläche jagdten bestimmt hundert Rauch- und Uferschwalben, allerdings reichte meine Geduld nicht aus, um diese allerdings gründlicher nach etwas Besonderen zu durchsuchen.

 

Auf dem Rückweg macht ich noch einen Abstecher zum "Abtissensee", einem kleinen Weiher, der direkt am Autobahnkreuz Bamberg liegt. Dort haben sich - wie bereits im letzten Jahr -  zwei Pärchen des Schwarzhalstauchers eingefunden. Hoffentlich kommt es in den nächsten Wochen zu keinen wesentlichen Störungen, so dass diese dann auch in diesem Jahr erfolgreich brüten können. Als Beigabe gab es an dieser Stelle heute noch einige Schnatterenten, eine Knäkente und ein Kolbenentenpärchen.  Insgesamt blicke ich somit auf neun neue Jahresarten zurück, ein Ergebnis mit dem man durchaus zufrieden sein kann.

Wiesenschafstelzen
Wiesenschafstelzen
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Frühlingsgefühle

Auf meiner heutigen Runde um den Großen Wörth waren endlich die ersten Frühlingszeichen deutlich zu spüren. Von überallher drang der Gesang von Kurzstreckenzieher wie Zilpzalp, Rohrammer und Feldlerche, auf dem Wasser waren nicht nur die üblichen Reiher- sondern auch die ersten Knäkenten zu sehen und auf den Sandbänken tummelten sich hunderte Kiebitze. Ein genauerer Blick auf Letztere enthüllte schließlich auch meine erste Bekassine und meine ersten Flussregenpfeifer im Jahr 2017, die sich den Schlamm mit einem Bergpieper sowie mehreren Bach- und Gebirgsstelzen teilten.

 

Nach dem Winter ist diese neue Vielfalt immer wieder überwältigend und so überraschte mich auch ein einzelner Kranich nicht mehr allzu sehr, der über dem Gebiet kreiste. Mit der damit sechsten Jahreserstbeobachtung des Tages beschloss ich schließlich auch die zwei Beobachtungsstunden und kehrte wieder zum Parkplatz zurück.

Kiebitze
Kiebitze
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Zwergammer bei Fulda

Letzte Woche wurde in einem Vorort von Fulda eine Zwergammer entdeckt. Am Anfang war ich noch skeptisch, kurz darauf wurde jedoch ein Belegbild zur Meldung auf ornitho.de hinzugefügt, dass zumindest meine Zweifel ausräumte. Die aus Sibirien stammende Zwergammer gehört zu den "üblichen" Seltenheiten, die jedes Jahr im Herbst an der Nordseeküste nachgewiesen werden, v.a. auf der Raritäten-Insel Helgoland. Dass ein Individuum allerdings so weit ins Binnenland gelangt und, so wie es scheint, dort auch den Winter verbringt, ist noch einmal mehr bemerkenswert.  

 

Da es vermutlich so schnell keine Zwergammer mehr in die "Nähe" von Bamberg (1,5 h mit dem Auto) verschlägt, gab es heute Morgen nicht viel zu überlegen. Am frühen Vormittag war ich schließlich vor Ort und begann meine Suche am letzten Beobachtungsort, einigen Gärten am Ortsrand. Dies stellte sich als gute Taktik heraus, denn es dauert keine halbe Stunde bis ich den gewünschten Vogel nur wenige Meter von dort entfernt entdeckte. Leider blieb es dank des fahlen Lichts nur bei einigen Belegbildern, trotzdem kann ich sehr zufrieden auf den Tag zurückschauen, immerhin zeigte sich die Ammer sehr kooperativ und ließ einen nicht Stunden warten wie z.B. der Blutspecht letztes Jahr.

Zwergammer
Zwergammer
Zwergammer
Zwergammer
Zwergammer
Zwergammer
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Noch einmal Besuch bei den Möwen

Trotz der mittlerweile, im Vergleich zur Woche davor, deutlich höheren Temperaturen bleibt der Hafen von Bamberg mit seinen Möwen der momentan interessanteste Vogelbeobachtungsort der Umgebung. Heute wollte ich noch einmal nach der beringten und im Verlauf der letzten Tage eingehend diskutierten Großmöwe suchen, die inzwischen als Steppenmöwe eingeordnet wurde. Allerdings konnte ich sie bei meiner Stippvisite nicht finden. Das mag auch daran liegen, dass die Zahl der Möwen und vor allen Dingen der Großmöwen in den letzten Tagen stark abgenommen hat. 

 

Nichtsdestotrotz kann ich auf einen erfolgreichen Tag zurückblicken. Immerhin ließen sich zwei Silbermöwen (adult und im ersten Winter), eine Steppenmöwe im dritten Winter und überraschenderweise auch eine Mantelmöwe im ersten Winter beobachten. Bei Letzterer handelt es sich mit großer Sicherheit um das Individuum vom Porznersee, das jetzt offensichtlich in den eisfreien Bamberger Hafen gewechselt ist.

Mantelmöwe
Mantelmöwe
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Möwen auf dem Eis

Der Winter hält mit seinen eisigen Minusgraden an. Mittlerweile sind alle Stillgewässer der Region und auch große Teile der Flüsse zugefroren. Damit bleiben nur noch wenige Orte übrig, an denen sich Wasservögel aufhalten können, unter denen der Bamberger Hafen wohl zweifellos herausragt und somit momentan im Fokus der regionalen Vogelbeobachter steht. 

 

Inzwischen halten sich einige hundert Möwen in den beiden Hafenbecken auf, von denen die Lachmöwen den Hauptteil ausmachen, gefolgt von einigen Dutzend Sturm- und Steppenmöwen. Interessant ist vor allen Dingen, dass unter den Großmöwen fast keine Mittelmeermöwen zu finden sind, welche eigentlich die häufigste Großmöwenart sind oder bzw. waren.

Natürlich besteht der Hauptreiz bei einem Besuch darin, unter den vielen Möwen etwas Interessantes herauszupicken. In diese Kategorie fällt sicherlich auch diese subadulte, beringte Großmöwe, die sich an diesem Tag neben einer Steppenmöwe schön zeigte. Das helle Auge, der kompakte Kopf und Schnabel, und die kurzen, rosa Beine schienen eindeutig auf eine Silbermöwe hinzuweisen, wie die Möwe im Feld auch von allen Beobachtern bestimmt wurde. Allerdings gehört - laut einer Meldung auf ornitho.de - der Ring zu einer in Weißrussland beringten Steppenmöwe. Um welche Art handelt es sich also? Kann eine Steppenmöwe in so vielen Kennzeichen so untypisch sein? Vielleicht kann jemand mehr darüber sagen, ich habe drei Bilder von der fraglichen Möwe mit einer Steppenmöwe eingefügt.

Glücklicherweise konnte ich kurz darauf noch eine deutlich eindeutigere Silbermöwe entdecken: Dieses immature Indiviuum sollte dank des hellen Auges, der kompakten Gestalt und der gleichmäßigen braunen Zeichnung auf der Unterseite (ohne Maske oder Kontrast zwischen Kopf und Unterseite) ohne Probleme dieser Art zugeordnet werden können.

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Gänsezählung im Januar

An diesem Wochenende wurden offiziell die Gänse in den Landkreisen Bamberg und Haßberge entlang des Maintals gezählt. Unglücklicherweise waren die meisten Baggerseen schon komplett zugefroren und die Gänse dem entsprechend auf die umliegenden Felder verteilt. Nichtsdestotrotz konnten wir insgesamt rund 1800 Gänse ermitteln (6 Arten), also wesentlich mehr als im Winter 2015/16. Hinzu kamen noch ein paar weitere interessante Wasservögel, wie beispielsweise ein Singschwan, eine Bergente oder die Mantelmöwe, die nach wie vor am Porznersee weilt.

 

Das photographische Highlight des Wochenendes ist jedoch zweifellos diese sehr zahme Schnatterente, die ich am Main bei Eltmann festhalten konnte.

Schnatterente
Schnatterente
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Brombachsee Tour

Prachttaucher
Prachttaucher

Schon seit längerer Zeit hatte ich einen Ausflug an den Brombachsee geplant und heute bot sich die perfekte Gelegenheit dafür. Das größte Stillgewässer der Region mag im Sommer als Bade- und Segelrevier weithin bekannt sein, doch im ruhigen Winterhalbjahr ist es ein exzellenter Ort, um Wasservögel zu beobachten, wenn nicht sogar der beste in ganz Franken. Das Wetter war zwar aufgrund des bewölkten Himmels nicht perfekt, jedoch schneite es im Gegensatz zu den Tagen davor nicht mehr und die Straßen waren zum Glück alle gut befahrbar.

 

Gleich zu Beginn möchte ich Ihre Aufmerksamkeit auf diese Bachstelze lenken, die ich am Südufer bei Ramsberg beobachten konnte. Die düstere Gesamterscheinung, die stark gezeichneten Flanken, der schwarze Bürzel und die Gesichtszeichnung ließen mich sofort an die englische Unterart yarellii (Trauerbachstelze) denken. Allerdings haben meine Recherchen ergeben, dass die Unterscheidung im Winter keinesfalls selbstverständlich ist und viele Vögel als unbestimmt abgelegt werden müssen. Ich denke, dass mein Vogel wahrscheinlich genau in diese Sparte fällt, aber vielleicht weiß jemand mehr? Über Kommentare zu dem Vogel würde ich mich freuen.

Wie zu erwarten war der Hauptsee noch eisfrei, weshalb die Wasservögel über die ganze Fläche verteilt waren. Da ich nur einige wenige Beobachtungspunkte am Süd- und Nordufer besucht habe und die Entfernungen zum Teil sehr groß waren, konnte ich mir nur einen Überblick über die Lage machen und habe definitiv einiges übersehen. Nichtsdestotrotz konnte ich ein paar interessante Vögel ausmachen, so z.B. einen erstaunlich nahen Prachttaucher, einen Zwergsäger, drei Mittelsäger, einen kleinen Trupp Blässgänse und natürlich Unmengen an häufigeren Wasservögeln.

Trotz der ungünstigen Lichtbedingungen und der bereits erwähnten, oft großen Beobachtungsentfernungen gab es viele schöne Bildmotive, so dass ich einige hundert Fotos an diesem Tag geschossen habe. Ein paar der schönsten sind unten zu sehen.

männliche Schellente
männliche Schellente
Sturmmöwe
Sturmmöwe
weiblicher Gänsesäger
weiblicher Gänsesäger
Silberreiher
Silberreiher
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Start ins neue Vogeljahr

Wenn ich den Jahresbeginn 2016 mit dem von 2017 vergleiche, fällt mir auf, wie unterschiedlich beide verlaufen sind. Letztes Jahr war der erste Tag vogeltechnisch recht ruhig mit einer kleinen Runde auf dem Plateau der Fränkischen Schweiz bei Ludwag (mit dem Ergebnis eines überwinternden Raubwürgers). Dieses Jahr dagegen hat mehrtägiger Dauerfrost dafür gesorgt, dass beinahe alle Stillgewässer der näheren Umgebung komplett zugefroren waren und daher den Dutzenden von Wasservögeln keine geeigneten Rastmöglichkeiten mehr boten. Daher sollten sich - so meine Hoffnung - die verbliebenen Wasservögel auf die größten und daher eventuell nicht ganz zugefrorenen Seen konzentrieren.

 

Dem entsprechend ging ich zunächst an den Baggersee Roßstadt Süd, der in der Tat noch zu etwa 70 % eisfrei war. Schon auf den ersten Blick war erkennbar, dass sich mehrere hundert Gänse, Enten, Kormorane und Taucher aufhielten. Dieser vielversprechende erste Überblick bestätigte sich dann auch durch die genauere Untersuchung mit dem Spektiv: So ließen sich erfreulicherweise einige schöne Arten wie Steppenmöwe, Schellente, Gänse- und Zwergsäger feststellen. Kein schlechter Anfang.
Der nächste See auf der Liste war der Oberhaider Baggersee, der jedoch aufgrund seines nur kleinen Eislochs eher enttäuschend war.

 

So blieb nur noch der Porznersee, etwa 15 km nördlich von Bamberg, übrig. Dieser war glücklicherweise nur gut zur Hälfte zugefroren und bis in den letzten eisfreien Winkel mit dutzenden Wasservögeln bevölkert, allerdings ohne große Besonderheit darunter. Der beste Vogel war weniger in großer Distanz bei Letzteren als vielmehr am Ufer direkt vor mir zu finden. Denn dort konnte ich eine juvenile Großmöwe aus nächste Nähe beobachten, die ich schon auf den ersten Blick aufgrund ihres massigen Schnabels und einiger Gefiederdetails wie den breiten hellen Rändern der Schirmfedern als merkwürdig empfand. Im Feld dachte ich bereits an eine Mantelmöwe, welche jedoch im Gegensatz zur hier üblichen Mittelmeermöwe nur äußerst selten auftritt. Diesen Verdacht konnte ich allerdings dank der vor Ort angefertigten Belegbilder zu Hause vor dem Computer auch bestätigen. Ein toller Start ins neue Jahr.

Zum Schluss ging es noch zum Bamberger Hafen, welcher wesentlich länger eisfrei bleibt als alle Seen der Umgebung und sich zudem zur Beobachtung von Möwen eignet, was ich schon das eine oder andere Mal erwähnt habe. Leider hatte sich meine Hoffnung auf mehr spannende Möwen nicht bestätigt, da nur die übliche Anzahl von etwa 200 Lachmöwen und einigen wenigen Sturmmöwen anwesend war. Trotzdem mit der Mantelmöwe vom Porznersee kann ich mehr als zufrieden sein.

 

Gerade als ich am Zusammenpacken meiner Ausrüstung war, fiel mir noch eine Ente im Augenwinkel auf, die gerade zur Landung auf dem Kanal ansetzte. Also investierte ich noch einen Blick durch das Spektiv und staunte nicht schlecht, als ich dort eine Samtente vorfand. Nach ein paar weiteren Bildern, um diesen Fund auch ansprechend belegen zu können, machte ich mich dann doch definitv auf den Rückweg. Was für ein schöner Abschluss eines wirklich erfolgreichen Beobachtungstages.

 

Samtente
Samtente
Sturmmöwe
Sturmmöwe
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Ruhiges Ende

Normalerweise sind die Garstadter Seen ein wahres Paradies für Wasservögel, zu mindest bis die Temperatur unter 0 °C fällt, was leider auch am heutigen Tag der Fall war. Fast der komplette vordere Teil des Gebiets, welcher vom Beobachtungsturm sichtbar ist, war zugefroren und dementsprechend so gut wie vogelfrei. Trotz dieses eher enttäuschenden Einstiegs entschied ich mich für die komplette 4 km lange Runde, schließlich weiß man ja nicht, was im Busch hinter der nächsten Biegung wartet.

Zunächst schien es allerdings genauso ernüchternd weiterzugehen, wie es angefangen hatte. Jedoch ließen sich wenigstens im hinteren Teil des Sees ein paar Wasservögel ausmachen, allen voran Reiherenten, aber auch einzelne Schell- und Tafelenten. Kein großartiges Ergebnis aber besser wie gar nichts.

Zum Glück war das aber noch nicht alles: Kurz nach dem letzten Einblick auf den See war ich nämlich von den hohen Rufen eines gemischten Trupps aus Meisen, Wintergoldhähnchen und Baumläufern umgeben, die fortan meine Aufmerksamkeit auf sich zogen. Ich musste nicht lange warten, dann hatten sich die kleinen Singvögel schon an meine Gegenwart gewöhnt und erlaubten es mir, noch näher an sie heranzukommen. Zusätzlich schien gerade zu diesem Zeitpunkt das goldene Abendlicht auf die mit Vögeln bevölkerten Büsche und erzeugte somit nicht nur gute Fotografierbedingungen sondern auch eine fantastische Atmosphäre.

 

So geht das Vogeljahr 2016 für mich recht ruhig zu Ende ohne aufsehenerregende Seltenheit oder etwas Vergleichbares. Dennoch kann ich auf ein außergewöhnliches Jahr mit einigen sehr spannenden Vögeln zurückschauen wie auf Deutschlands ersten Blutspecht, die Zwergscharbe am Goldbergsee oder meine erste Raubseeschwalbe.

Damit hoffe ich auch 2017 bald wieder hier berichten zu können, seien es aktuelle Beobachtungen, schwierig zu bestimmende Vögel oder auch neue Gebiete, die ich vorstellen werde. Zeitbedingt werde ich wohl nicht mehr so viele Artikel schreiben können, jedoch versuche ich, zu mindest regelmäßig den Blog up-to-date zu halten.
In diesem Sinne wünsche ich ein gutes Vogeljahr 2017!

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Wieder draußen

Viel zu viel Zeit ist seit meiner letzten Vogelbeobachtungsrunde vergangen und viel zu viele gute Vögel habe ich in dieser Zeit verpasst. Trotzdem ging es heute einmal wieder auf Tour in der Hoffnung, selbst ein paar winterliche Highlights zu entdecken. Erste Anlaufstelle war der Ochsenanger, ein mittelgroßer Baggersee 15 km nördlich von Bamberg, den ich seit einigen Monaten nicht mehr besucht habe. Allerdings fiel der erste Schwenk mit dem Spektiv eher mau aus, lediglich sechs Schnatterenten sind hier erwähnenswert. Glücklicherweise entschied ich mich, noch ein wenig Zeit an diesem See zu verweilen und zum Beobachtungsversteck am Westufer zu laufen. Dort stieß ich überraschender Weise noch auf einen sehr späten Wiesenpieper und einem Trupp "Trompetergimpel", die dank ihres unverkennbaren Rufes leicht zu identifizieren waren.

 

Daher nicht vollkommen unzufrieden mit dem Ochsenanger ging es weiter zum benachbarten Röckelein Baggersee, der sich über die letzten Winterhalbjahre als relativ verlässlicher Platz für eher weniger häufige Arten herausgestellt hat. Schon bei meiner Ankunft wurde das von fünf Sturmmöwen bestätigt, die allerdings relativ schnell ihre Futtersuche auf den angrenzenden Feldern aufgaben. Trotz des relativ guten Starts waren auf dem See selbst nicht allzu viele Vögel, hauptsächlich Reiherenten und Gänsesäger. Dennoch lohnte auch hier ein genauerer Blick durchs Spektiv, da sich unter Letzteren auch zwei Mittelsäger aufhielten.

 

Zum Schluss und schon auf dem Nachhauseweg machte ich noch einen Abstecher zum Bamberger Hafen, um dort die Möwen zu beobachten. Die Zahl der Lachmöwen (die weitaus häufigste Möwenart dort) hat sich im Vergleich zu meinem letzten Besuch merklich gesteigert, was erfahrungsgemäß die Chancen auf nicht so häufige Arten erhöht. Auch das sollte sich bestätigen, denn neben noch einmal vier Sturmmöwen konnte ich je eine Steppen- und eine Mittelmeermöwe ausmachen.
Kein schlechtes Ergebnis für den kurzen Besuch; wir werden sehen was noch kommt, wenn - wie von der Wettervorhersage angedeutet - die Temperaturen weiter fallen.

Mittelsäger (in der Mitte) und Gänsesäger
Mittelsäger (in der Mitte) und Gänsesäger
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Der Winter kommt schnell

Schon nähert sich auch der (metereologische) Winter mit schnellen Schritten und mit ihm eine interessante Zeit für die Vogelbeobachtung. Bereits die letzten vier Wochen waren diesbezüglich sehr spannend, da zu mindest nach meiner Einschätzung sonst eher spärlich auftretende Arten dieses Jahr zahlenmäßig stärker festgestellt werden. Beispiele hierfür sind einige mehr oder weniger typische Wintergäste wie Saatgans, Samtente oder der Raubwürger.

 

Zu diesen wenigstens in geringer Zahl regelmäßig auftretenden Arten kamen jedoch in letzter Zeit auch einige Raritäten hinzu. Besonders hervorzuheben ist hier als extreme Seltenheit ein Taigazilpzalp, der sich Ende Oktober ein paar Tage am Altmühlsee aufhielt. Ebenfalls erstaunlich sind allerdings auch zwei Schneeammern, wo von eine auch Merkmale der isländisch/schottischen Unterart insulae zeigt. Diese Art wurde in vergangenen Jahren in Franken nicht einmal jährlich nachgewiesen. Schließlich weilt auch ein Kuhreiher für gut drei Wochen schon in der Nähe von Volkach, so dass wahrscheinlich auch in den nächsten Tagen noch gute Chancen bestehen, diesen Vogel dort beobachten zu können.

 

Der Grund für dieses verstärkte Auftreten nordöstlicher Arten (mit Ausnahme des Kuhreihers) dürfte mit den für uns "günstigen" Klimaverhältnissen in Nordost-Europa zusammenhängen, durch die schon den gesamten Herbst eine außergewöhnliche Menge an östlichen Raritäten nach West- und Mitteleuropa verdriftet wurde. Wir werden sehen, was der Winter noch alles bringt. Es dürfte sich sicher lohnen, die Augen offen zu halten.

Rotdrossel im Luisenhain (Bamberg)
Rotdrossel im Luisenhain (Bamberg)
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Wieder einmal am Sander Baggersee

Und wieder sind zwei Wochen verstrichen. Aufgrund des beinahe permanenten Regen- bzw. stellenweise auch Schneefalls ist es mittlerweile für mich schwer geworden, eine geeignete Lücke für eine Vogelbeobachtungsrunde zu finden. Mittwoch, der 26. Oktober, war glücklicherweise einer der wenigen Tagen, an dem sowohl das Wetter als auch mein Zeitplan mitspielte. Wie schon im letzten Jahr konzentriere ich mich auf den Sander Baggersee Ost, der zu dieser Jahrzeit bereits mehr als einmal Überraschungen geboten hat (z.B. hier).

 

Gut hat es getan, wieder ein wenig frische Luft ab zu bekommen und unter den häufigen Alltagsvögeln nach dem Besonderen zu suchen. Schon auf den ersten Metern entdeckte ich einen großen Trupp aus Bluthänflingen, Girlitzen, Rohr- und Goldammern, die in der Ufervegetation nach Nahrung suchten. Diesen hatte sich offensichtlich auch ein Schwarzkehlchen angeschlossen, ein wahrhaft erfreulicher Anblick. Schließlich ist diese Art - von den wenigen Brutplätzen in der Region einmal abgesehen - nur noch ein seltener Gast auf dem Zug in Franken und daher immer ein Highlight einer Vogelbeobachtungstour.
Ein kurzer Schwenk über den See offenbarte neben hunderten Gänsen, meine erste Spießente des Herbstes und eine nicht näher differenzierbare Großmöwe.

Rohrammer
Rohrammer
Girlitz
Girlitz

Mit dem Tag schon dementsprechend zufrieden kehrte ich nach zwei erfüllten Stunden um. Da entdeckte ich auf einem entfernten Baum eine Gruppe Ammern. Zum Glück konnte ich mich überzeugen, das Spektiv noch einmal aufzubauen, um einen genaueren Blick auf diese zu werfen. Tatsächlich stellten sich alle als Goldammern heraus bis auf eine, der scheinbar jeder Gelbton fehlte, was mich an eine weibliche Fichtenammer denken ließ. Alarmiert machte ich ein paar Belegbilder und näherte mich dem Vogel an, um auch die schwierigen Details betrachten zu können.

 

Leider - gerade als ich die Entfernung zwischen mir und der Ammer halbiert hatte - flog der Trupp hinunter auf das Feld zur Nahrungssuche, wo ich das Objekt der Begierde schließlich aus den Augen verlor. Unglücklicherweise konnte ich nur die Rückseite des Vogels sehen, weshalb ich eine sehr fahle Goldammer schlussendlich nicht sicher ausschließen kann. Was bleibt sind einige ungenügende Belegfotos eines interessanten Vogels.

mögliche Fichtenammer rechts
mögliche Fichtenammer rechts
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Norfolk II - Blakeney Point

Da es momentan nichts Interessantes über die fränkische Vogelwelt zu berichten gibt, komme ich wieder auf meinen Norfolk - Urlaub Anfang August zurück (siehe hier für Teil 1). Dieses Mal sind meine Beobachtungen am Blakeney Point an der Reihe, einer merkwürdig geformten Halbinsel, die an die Cley Marshes angrenzt. Laut meinem Buch soll dieser Ort eine geradezu magische Anziehungskraft für rastenden Seltenheiten im Herbst besitzen und im Sommer einer großen gemischten Seeschwalben-Kolonie als Nistplatz dienen. Obwohl August weder für Zug- noch für Brutvögel ein guter Monat ist, habe ich dennoch einen Besuch gewagt.

 

Wie schon bei den Cley Marshes bin ich an der Bushaltestelle am Informationszentrum bei Cley-next-the-Sea gestartet. Die erste (und auch letzte) Meile verlief auf Asphalt zum Strand, von wo ab man stets in westlicher Richtung auf dem Kiesstrand laufend zum Informationszentrum von Blakeney Point gelangt. Das mag sich einfach anhören, doch es handelt sich hierbei um eine anstrengende und recht monotone Wanderung, die zwar im Herbst sehr ergebnisreich sein kann, aber in meinem Fall der Jahreszeit geschuldet nur relativ wenige Vögel erbrachte. Insgesamt habe ich für eine Wegstrecke gut 1 1/2 Stunden gebraucht.

 

Austernfischer
Austernfischer
Zwergseeschwalbe
Zwergseeschwalbe

Nun soll es aber tatsächlich um die Vögel von Blakeney Point gehen: Schon von Beginn ab konnte ich zahlreiche Seeschwalben beobachten, die entlang des Strandes in Richtung ihrer Kolonie flogen, um ihre Jungtiere mit Fisch zu versorgen. Bei den meisten wird es sich wohl um Brand- und Zwergseeschwalben gehandelt haben, wobei laut meinem Buch auch Fluss- und Küstenseeschwalben an besagtem Ort brüten sollen. Schade nur, dass die Kombination aus großer Entfernung und schnellen Bewegungen gute Fotos fast unmöglich gemacht hat.

 

Wenig später kamen dann auch schon die ersten Limikolen in Sicht: Allen voran meine erste Pfuhlschnepfe, die noch ihr schönes Prachtkleid zeigte. Kurz darauf kamen auch noch zwei Knutts, Steinwälzer, Regenbrachvogel, Sanderling und Sandregenpfeifer hinzu.

 

Lifeboat House
Lifeboat House

Nach einer halben Ewigkeit kam dann endlich das blaue Lifeboat House in Sicht, welches jetzt als Informationszentrum des Naturschutzgebietes dient. Auf einem schmalen Pfad ging es weg vom Strand durch ein sehr buschiges Areal, das für Zugvögel im Herbst einen reich gedeckten Tisch bieten muss. Mögen zur richtigen Zeit hier auch seltene Arten wie Grünlaubsänger und Zwergschnäpper erwartet werden können, so blieb heute das Gelände lediglich dutzenden Bluthänflingen und Wiesenpiepern vorbehalten.

 

Leider musst ich - das Lifeboat House gerade eben erreicht - auch schon wieder umdrehen, um noch den richtigen Bus zu erwischen. Auf dem Rückweg schließlich hörte ich noch einmal die aufgeregten Rufe der Zwergseeschwalben, die einen Wanderfalken vertrieben. Sicherlich ein Highlight des heutigen Tages.

 

Pfuhlschnepfe
Pfuhlschnepfe
Austernfischer
Austernfischer
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Kleines Oktober-Update

Zilpzalp
Zilpzalp

Und wieder sind drei Wochen ins Land gegangen. War es im September noch sommerlich warm, folgt nun ein kühler und nasser Oktoberanfang. Unglücklicherweise konnte ich nicht so viel Zeit im Feld verbringen, wie ich gehofft hatte, allerdings scheint der Herbst aus ornithologischer Sicht nicht schlecht in Franken zu verlaufen, zu mindest wenn man sich die Meldungen bei ornitho.de ansieht. Wie jedes Jahr markieren die ersten Oktobertage das Zugmaximum von Buchfink und Ringeltaube, die beide dann mit Tagessummen von mehreren tausend Individuen das fränkische Hügelland passieren. Unter diesen konnte ich auch schon die ersten Bergfinken und Erlenzeisige ausmachen, ein klares Zeichen, dass der Winter naht.

 

ein später Fischadler
ein später Fischadler

Bei meinen wenigen Beobachtungstouren habe ich mich auf den Großen Wörth konzentriert. Ich hatte gehofft (und tue es immer noch), in den Büschen rund um den See, etwas Interessantes unter den zahllosen rastenden Kleinvögeln herauszufischen, bisher jedoch ohne Erfolg. Trotz nicht gerade angenehmer Wetterumständen ist es immer wieder eine Freude, diesen Ort aufzusuchen. Nicht zuletzt deswegen, da die Zahlen von Silberreiher (78), Kanada- und Graugans (beide um die 300) erste Spitzenwerte erreichen. Allerdings fehlt bislang die Blässgans, die normalerweise in dieser Zeit hier durchzieht und dann den See als Rastplatz aufsucht. 

 

Kanadagänse am Großen Wörth (inklusive zweier Kormorane und einer Nilgans)
Kanadagänse am Großen Wörth (inklusive zweier Kormorane und einer Nilgans)

Da Oktober - wie bereits erwähnt - der Zugmonat ist, hat es auch wieder einige Seltenheiten hierher verschlagen. Allen voran zwei Gelbbrauen-Laubsänger, eine seltene Laubsängerart aus Siberien, auf die ich auch in vergangenen Jahren immer gehofft hatte, bisher jedoch stets vergebens. Vielleicht habe ich im Lauf der nächsten Tage noch einmal Glück.

 

Andere Raritäten schließen unter anderem Spornpieper und Steppenweihe ein, die jedoch beide nur für einen sehr kurzen Zeitraum blieben. Und Last but not least: Die Zwergscharbe vom Goldbergsee ist nach wie vor am selben Ort und das schon seit mittlerweile drei Monate. Bleibt zu hoffen, dass dieser Vogel uns noch länger mit seiner Anwesenheit beehrt.

 

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Kleine Zugpause

Es ist Mitte September und der Vogelzug ist in vollem Schwung. Was könnte man sich mehr wünschen? Mit dieser Motivation ging ich fast jeden Morgen in dieser Woche los zu einer neuen Vogelbeobachtungsrunde. Wer weiß denn schon, was im nächsten Busch rastet?

Leider blieben alle Hoffnungen, die ich mir diesbezüglich gemacht hatte, nur Wunschdenken.

 

Zunächst fiel mir auf, dass trotz z.T. hervorragender Rastflächen, nur sehr wenig Limikolen von ausschließlich häufigen Arten zu sehen waren.

 

Noch ärgerlicher für mich war allerdings, eine hier sehr seltene Sperbergrasmücke verpasst zu haben. Einen ganzen Nachmittag verbrachte ich mit der leider ergebnislosen Suche nach dem unscheinbaren Singvogel.

 

Jedoch muss man auch die positiven Dinge der Woche hervorheben und dazu gehört zweifellos mein Zwischenstopp am Altmühlsee am Dienstag (13. September). Zwar war dieser Tag offenbar ebenfalls eher ruhig am See und die Limikolenzahl  und -vielfalt eher gering, jedoch war die Menge an Kiebitzen, Großen Brachvögeln und vielen weiteren eine wahre Kompensation für die Tage davor. So dauerte es nicht allzu lange, bis ich eine Pfuhlschnepfe unter den häufigeren Limikolen entdecken konnte, die im Binnenland nur in sehr geringer Zahl auftritt und dementsprechend auch meine erste in Deutschland war. Die zwei Temminckstrandläufer dagegen waren zwar einfach zu entdecken, aber aufgrund der Entfernung nicht einfach zu bestimmen. Insgesamt habe ich wohl gut zwei Stunden auf dem Beobachtungsturm verbracht die rastenden Limikolen immer und immer wieder nach etwas Besonderem durchsuchend. Ein wahrer Genuss!

 

Limikolen ohne Ende am Altmühlsee
Limikolen ohne Ende am Altmühlsee
Turmfalke mit Libelle
Turmfalke mit Libelle

Leider ging es die Woche danach nicht viel besser weiter, allerdings mit vertauschten Vorzeichen. Dieses Mal waren die Vögel nicht das Problem, sondern lediglich mein geringes Zeitbudget. Auf ornitho.de wurden beinahe jeden Tag schöne Beobachtungen aus der Umgebung gemeldet. So konnten am Großen Wörth, meinem Stammgebiet, 17 (!) Alpenstrandläufer beobachtet werden, was sicherlich einen Rekord für die Region darstellt.

Somit kann ich lediglich hoffen, in nächster Zeit häufiger herauszukommen.

Keine Limikolen auf den Sandbänken am Großen Wörth, sondern nur eine Rostgans
Keine Limikolen auf den Sandbänken am Großen Wörth, sondern nur eine Rostgans
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Schafstelzen auf dem Herbstzug

Schafstelze (links) und Steinschmätzer (rechts)
Schafstelze (links) und Steinschmätzer (rechts)

Heute ging es einmal nicht zu den sonst von mir aufgesuchten Gewässern der näheren Umgebung, sondern in die abwechslungslose Agrarlandschaft um den kleinen Ort Merkendorf. Ich hatte gehofft, auf den fast baumlosen Kuppen einige interessante Greifvögel oder sogar Mornellregenpfeifer vorzufinden, allerdings ohne großen Erfolg.

 

So machte ich mich bereits früh auf den Rückweg und kam auf diesem an einem Feld vorbei, in dem dutzende Kleinvögel emsig nach Nahrung suchten. Ein Schwenk mit dem Fernglas offenbarte, dass sich neben einer kleinen Schar Steinschmätzer vor allem Schafstelzen auf erwähntem Acker befanden. Da genügend Zeit vorhanden war, verweilte ich für ein Zeit lang dort und studierte die Stelzen genau. Das sollte sich wenig später lohnen, denn im hinteren Bereich des Feldes konnte ich eine Nordische Schafstelze (Motacilla flava thunbergi) entdecken, die sich durch dunkle Ohrdecken mit einem gebrochenen Überaugenstreif verriet.

 

Auf der Suche nach einem weiteren "Leckerbissen" betrachtete ich jede ihre Artgenossen genau und konnte so einige für mich interessante Beobachtungen machen. Das Aussehen der einzelnen Schafstelzen unterscheidet sich von Individuum zu Individuum enorm, was damit zusammenhängt, dass die Mauser, also die Erneuerung des Federkleides, nicht zeitgleich beginnt und die einzelnen Schafstelzen sich somit in verschiedenen Mauserstadien befinden. Bei den meisten Stelzen war das Gefieder so abgetragen, dass die Unterart typischen Merkmale nicht mehr sichtbar waren. Bei einer Recherche im Internet habe ich herausgefunden, dass daher viele Individuen meist nicht näher bestimmt werden können.

 

Ich habe mal einige vermutlich männliche Individuen aus dem Trupp herausgepickt und meine Vermutungen zu der jeweiligen Unterart dargestellt. Sollten diese nicht richtig seien, würde ich mich über eine Korrektur freuen.

Das gelbe Exemplar in der Mitte ist - wahrscheinlich - eine männliche Wiesenschafstelze (Motacilla flava flava). Zwar ist der Kopf nicht wie im Frühjahr grau-blau, aber bei genauerem Hinsehen (Zoom) kann man einzelne bläuliche Federpartien erkennen. Hinzukommt, dass die Ohrdecken nicht ausgefüllt sind, der Überaugenstreif durchgängig ist und die Kehle gelb gefärbt ist.

 

Trotzdem war der Vogel auf den ersten Moment sehr auffällig, da er aufgrund seiner überwiegend gelblichen Färbung sofort an eine Englische Schafstelze (Motacilla flava flavissima) erinnerte.

 

Bei dieser männlichen Wiesenschafstelze ist die Mauser schon weiter fortgeschritten (?), so dass der Kopf bereits wieder in typischer Weise grau-blau gefärbt ist. Der Überaugenstreif ist kräftig und die Ohrdecken nicht ausgefüllt, was beides ebenfalls auf die hier heimische Unterart verweist.

 

Auch bei dieser Schafstelze dürfte es sich um eine Wiesenschafstelze handeln, schließlich geht auch hier der Überaugenstreif durch und im Kopfbereich lassen sich wieder einzelne blaue Gefiederteile feststellen.

 

Zum Abschluss gibt es noch zwei Bilder, die keine Schafstelzen darstellen, aber ebenfalls mit diesen anwesend waren. Das erste zeigt ein diesjähriges Braunkehlchen (vgl. weiße Federränder), das zweite einen Steinschmätzer.

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